Konzeptstudie · Qognio · Stand August 2026

Gläser-Trockenrack

Gespülte Gläser trocknen mit der Wärme, die die Spülmaschine in den Abfluss kippt. Nicht elektrisch geheizt — die Wärme ist Abfall; es laufen nur ein Gebläse und eine 5-Watt-Pumpe.

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Das Problem

Nasse Gläser binden Bestand und Arbeitszeit

Aus der Spülmaschine kommt das Glas heiß und nass. Bis es von selbst trocken ist, vergehen auf dem Abtropfgitter 20 Minuten und mehr — also wird es abgetrocknet. Das kostet Arbeitszeit, und hygienisch ist das Poliertuch das, was jeder Prüfer zuerst anschaut.

Wie viel Arbeitszeit, haben wir gemessen — in einer Hamburger Bar, an einem normalen Abend:

Arbeitsschritt je Korb 50 × 50gemessen
Korb befüllen1:30 – 2:00 min
Ausräumen mit Abtrocknen4:30 – 6:00 min
Summe Handzeit je Korb≈ 7 min
Darin stecken rund 3½ Minuten reine Poliererei je Korb. Bei 20 Körben an einem Abend ist das über eine Stunde, in der jemand mit einem Tuch dasteht. Genau diese Zeit soll das Rack ersetzen — nicht die Wartezeit, sondern die Handzeit.

Messung: Bar in Hamburg, 31.08.2026, Korb 50 × 50. Die Zeit fürs Ausräumen ohne Abtrocknen ist noch nicht gemessen — hier ist angenommen, dass es etwa so lange dauert wie das Befüllen. Das ist die nächste Messung.

Die Idee

Wärme, die schon da ist

Eine Gläserspülmaschine pumpt je Spülgang rund 2,5 Liter Wasser mit 60 °C in den Abfluss — theoretisch 366 kJ. Das Trockenrack braucht je Korb 19,4 kJ. Übertragen lässt sich davon aber nur ein Teil: das Wasser rauscht in sieben Sekunden durch die Wendel. Nachgerechnet über den Wärmeübergang kommen mit der ausgelegten Wendel 81 kJ an — das Vierfache des Bedarfs, nicht das Neunzehnfache.

Der externe Ablaufschlauch läuft durch eine Glattrohr-Wendel in einem isolierten 5-Liter-Puffer (Tank in Tank, doppelwandig, spülbar). Eine 5-Watt-Pumpe bringt das Pufferwasser auf ein Rippenrohr-Register im Luftweg. Gefilterte Raumluft wird dort um rund 9 K erwärmt — ohne dass Wasser zugeführt wird: die absolute Feuchte bleibt, die relative sinkt, die Luft nimmt mehr auf. Kein Fremdgerät wird berührt, kein Kältemittel, keine Verflüssigerluft.

Der Rest ist einfach: Der Spülkorb steht auf einem Plenum, die Luft strömt von unten durch den Korb an den Gläsern hoch. Kein Kontakt, keine Bürsten, kein Tuch.

Als Plenum dient eine GN-2/1-Wanne (650 × 530 mm) — das kleinste Gastro-Standardteil, auf dem ein 500 × 500-Spülkorb wirklich vollflächig aufliegt. Eine Eurobox 600 × 400 tut das nicht: dort hinge der Korb in der Tiefe beidseitig 50 mm über, und die Luft ginge seitlich daran vorbei.

Ehrlicher Marktabgleich

Das Prinzip ist nicht neu — und das ist eine gute Nachricht

Was es gibtVerfahrenLeistungPreis
Gläserpolier­maschinenrotierende Quasten/Bürsten, Kontakt, manuell Glas für Glas300–720 /h168–1.921 €
Airack (UK)Raumluft in kopfüber stehende Gläser, Korbweise, 4-min-Timer30 Gläser
je 4 min
im Markt
Dieses Konzeptwie Airack, aber +9 K aus dem Spülwasser, zwei Filterstufen, gerechnete Laufzeit16 Gläser
je ~2 min
offen
Warum das gut ist: Der Airack beweist, dass Betriebe für genau dieses Verfahren Geld ausgeben. Und seine angegebenen 4 Minuten mit reiner Raumluft bestätigen unser Rechenmodell, das für Raumluft je nach Raumklima 130–298 s ergibt. Zwei unabhängige Quellen, dieselbe Größenordnung.
Und was das heißt: Der Unterschied muss die Wärme sein. Ohne sie bauen wir einen Airack nach. Mit ihr halbiert sich die Zeit — und im Sommerbetrieb ist sie der Unterschied zwischen benutzbar und nicht. Die Wärme aus dem Spülwasser ist dabei die einzige Quelle am Spülplatz, die niemandem gehört und immer da ist.

Optionen

Vier Varianten — eine davon empfehle ich nicht

Empfehlung

A · Korb 500×500

Der Spülkorb aus der Maschine wandert direkt aufs Plenum. Kein Umsortieren, Korbmaß passt 1:1.

Gläser
16
Zyklus
~2 min
Wärme
aus dem Spülwasser
Reife
Modell + Prüfstand
Alternative

B · GN 2/1 + Rost

Gastronorm-Rost statt Spülkorb. Flexibler bei gemischtem Glasbestand, aber Umsortieren nötig.

Gläser
frei, 4–16
Zyklus
~2 min
Wärme
aus dem Spülwasser
Reife
Modell
Baukasten

C · Gedruckte Kacheln

Düsenfelder als Druckteile, modular erweiterbar. Günstigster Einstieg für einen Funktionsversuch.

Gläser
4 je Kachel
Zyklus
~2 min
Wärme
optional
Reife
Modell
Nicht empfohlen

D · Klein am Spülboy

Am Spülboy kommt das Glas kalt — die gespeicherte Wärme fehlt, Verdunstung dauert 5–10 min. Und der Ablauf dort will das nasse Glas: die Benetzung verhindert übermäßiges Ausgasen beim Zapfen.

Zyklus
5–10 min
Ausweg
Abblasen statt Trocknen
Urteil
eigener Kunde

Variante D wäre technisch über mechanisches Abblasen lösbar (30 m/s statt Verdunstung), aber das ist ein anderes Gerät für einen anderen Zweck — ein Regal-Trockner für Gläser, die ins Regal zurückgehen, nicht für den Zapf-Kreislauf.

Die Rechnung

Was die Abwärme wirklich bringt

Alle Werte aus einem Wärme- und Stoffübergangsmodell in NTU-/Wirkungsgradform (Lewis-Analogie), gerechnet für 16 Gläser und 70 m³/h. Angegeben ist jeweils der ungünstigste realistische Fall.

RaumklimaZuluft mit Registernur Raumluftmit Register
24 °C / 55 % — normaler Betrieb33,6 °C2,8 min2,3 min
27 °C / 60 % — gut besucht34,8 °C4,2 min3,2 min
30 °C / 70 % — Sommer, voll36,0 °C10,6 min6,2 min
32 °C / 75 % — Extremfall36,8 °C15,8 min9,1 min

Gerechnet für 20 Gläser und 56 m³/h, jeweils der ungünstigste realistische Korbzustand plus 30 % Reserve. Die Zuluft ergibt sich aus dem Register bei 40 °C Pufferwasser — bei warmem Raum wird der Hub kleiner, weil das Wasser nur 40 °C hat. Der Puffer steht nach etwa acht Körben auf Temperatur.

Diese Tabelle wurde am 07.09.2026 korrigiert. Im Trocknungsmodell war die Energiebilanz inkonsistent: das Glas gab mehr Wärme ab, als die Luft aufnahm. Nach dem Fix sind die Zeiten bei feuchter Luft deutlich länger als vorher angegeben. Gefunden im Cross-Review durch ein zweites Modell.
Das ist die Kernaussage: Am normalen Abend spart die Wärme eine halbe Minute — nett, aber kein Kaufgrund. Im vollen Sommerbetrieb macht sie aus 10½ Minuten 6¼. Die Anlage verkauft nicht Geschwindigkeit, sondern Funktionsfähigkeit dann, wenn es eng wird.
Und die unbequeme Folge: Bei 30 °C und 70 % liegt der Zyklus mit 6¼ Minuten über der gemessenen Handzeit von 3½ Minuten je Korb. Im Sommer wird das Rack also zum Engpass — anders als bei normalem Raumklima. Wer darauf auslegen will, braucht zwei Korbplätze oder mehr Luft.

Warum kein Sensor über dem Korb sitzt

Naheliegend wäre, die Abluft zu messen und abzuschalten, wenn nichts mehr verdunstet. Getestet über 324 Betriebsfälle — nur ein Kriterium liefert nie nasse Gläser:

Abschaltkriteriumbrauchtzu früh = nasse Gläser
Feuchtedifferenz Zu-/AbluftT + rF in der Abluft0 von 311 ✓
Temperaturdifferenznur T in der Abluft105 von 114 ✗
GlastemperaturIR-Sensor90 von 99 ✗
fester Timer 120 snichts146 von 311 ✗

Der Abluftsensor müsste aber frei über dem Korb hängen — im Beladeweg, im Spritzbereich, über sauberem Geschirr. Deshalb der andere Weg: ein Sensor in der Zuluft, aus dem die Steuerung die Laufzeit vorausrechnet. Weil abgekühlte Gläser zugleich schon abgetropft sind, liegen alle realistischen Fälle zwischen 53 und 83 s — eine gerechnete Laufzeit deckt sie alle ab.

Nebeneffekt, den ein Abluftsensor nicht kann: Die Steuerung weiß vorher, wenn die Raumluft zu feucht ist, und meldet „Klappe öffnen" — statt den Betrieb 10 Minuten warten zu lassen.

Mini-Businessplan

Was es kostet, das herauszufinden

Der Reihe nach, mit einer Entscheidung nach jeder Stufe. Abbrechen ist an jedem Punkt billiger als weiterbauen.

  1. Stufe 0 — Messen, nicht bauen Ein Spülkorb, ein Gebläse, eine Küchenwaage. Gläser vor und nach dem Zyklus wiegen, Zuluft mit einem 5-€-Sensor mitschreiben. Beantwortet die einzige wirklich offene Frage: Stimmt das Modell? ~150 €, ein Wochenende.
  2. Stufe 1 — Funktionsmuster Plenum, Gebläse, zwei Filterstufen, Puffer mit Ablauf-Wendel, Register, Zuluftsensor, Steuerung ohne WLAN. An einer echten Spülmaschine, Ablaufschlauch durch die Wendel, in einem echten Betrieb. Misst, was die Rückgewinnung im Alltag wirklich bringt — und ob der Wirt den Ablauf anfassen lässt. ~400–600 €, zwei bis drei Wochen.
  3. Stufe 2 — Pilot bei drei Betrieben Drei Geräte, vier Wochen, protokollierte Zyklen. Liefert die Zahlen für jede Preisdiskussion: gesparte Polierminuten, freigewordener Glasbestand, Ausfälle. ~1.800 €.
  4. Entscheidung Erst danach Werkzeug-, Zulassungs- und Hygienefragen. Vorher ist jede Serienplanung geraten.

Preisrahmen

Teile (Prototyp)355–410 €GN 2/1, Gebläse, zwei Filterstufen, Sensorik inkl. Δp, Steuerung, Netzteil
Marktanker168–1.921 €Gläserpolier­maschinen im Handel
Preishypothese450–750 €zu belegen über Stufe 2

Die Hypothese stützt sich auf zwei Punkte: kontaktlos (keine Quasten, kein Tuch am Trinkglas — ein Hygienevorteil, den man einem Prüfer zeigen kann) und gesparte Handzeit. Der zweite ist seit der Messung keine Behauptung mehr.

Was es einspart

Gerechnet mit den gemessenen 3½ Minuten Poliererei je Korb und 18 €/h Personal-Vollkosten:

Körbe je Abendgespart je Abendje Monat (25 Tage)Gerät (600 €) bezahlt nach
1010,25 €256 €~10 Wochen
2020,50 €512 €~5 Wochen
3030,75 €769 €~3 Wochen

Die Ersparnis unterstellt, dass ausgeräumt statt poliert wird und das etwa so lange dauert wie das Befüllen. Gemessen sind Befüllen und Ausräumen-mit-Abtrocknen; die dritte Zeit fehlt noch. Solange sie fehlt, ist die Amortisation gerechnet, nicht belegt.

Was gegen das Projekt spricht: Es gibt ein funktionierendes Konkurrenzprodukt, das nur eine Steckdose braucht. Unseres braucht zusätzlich zwanzig Minuten am Ablaufschlauch. Dafür ist die Wärme dann kostenlos, hygienisch unkritisch und immer da — aber ob ein Wirt den Ablauf anfassen lässt, entscheidet Stufe 1, nicht wir.

Status

Rechenmodell, keine Messreihe

Sämtliche Zeiten auf dieser Seite stammen aus einer vereinfachten Wärme-/Stoffübergangsrechnung mit gleichmäßig benetzter Glasfläche. Sie zeigen Tendenzen und Abhängigkeiten zuverlässig — Absolutwerte sind erst nach Stufe 0 belastbar. Besonders Stielgläser mit dickem Fuß halten mehr Wasser als die im Modell angesetzten 3 g.

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